Still gleiten zwei Fische durch das Wasser, aneinander vorbei.
Plötzlich schwimmen sie wieder aufeinander zu und im Kreis, als
tanzten sie. Doch es ist viel schöner als Tanz, fast schwerelos
und frei. Ein Fisch sein, das wäre es. Jan liebt seine Fische. Sie
sind ruhig, nicht so hektisch wie die Welt da draußen, elegant
und unbeschwert. Stundenlang beobachtet er seine Fische und verliert
sich selbst in Gedanken und Träumereien. In der Badewanne taucht
er gerne ab und stellt sich vor, ein Fisch zu sein, in seiner
Vorstellung des Paradieses zu leben: einem dunklen, feuchten Ort, wie
dem Grund eines Sees.
Nina ist ganz anders. Sie liebt das Leben, obwohl es sie so oft
enttäuscht hat. Ihre Mutter lebt in Kenia, ihr Vater hat eine
‚blöde’ Freundin und ihr Bruder hilft ihr auch nie. Trotz allem
ist sie ein recht normales Mädchen, geht zur Schule,
umsäuselt Jungs und fährt –eher schlecht denn recht-
Inline-Skate. Eines Tages will es der Zufall, dass Jan und Nina
aufeinandertreffen, im wahrsten Sinne des Wortes. Der Unfall ist
schnell abgehandelt, Nina fährt zur Schule und Jan vergisst die
Sache – doch das Schicksal führt sie nochmals zusammen: als Nina
auf dem Rückweg von der Schule wieder ihre Inlines nicht unter
Kontrolle hat, stößt sie erneut auf Jan und bringt dabei
einen seiner Fische um, den er in einem Plastikbeutel transportiert. So
kommen die beiden ins Gespräch: „Sag’ mal, ficken Fische
eigentlich?“
Langsam bahnt sich etwas an zwischen den beiden, doch anders als
vielleicht „Star Wars“ geht es hier vor allem um die Liebe und der
unweigerlich damit verbundenen Probleme. Mit hervorragenden Leistungen
schauspielerischen Könnens überzeugen die Hauptdarsteller
Sophie Rogall (Nina) und Tino Mewes (Jan), wecken im Zuschauer
Reminiszenzen, die ein Mitfühlen erst möglich machen, und
hauchen ihren Charakteren Glaubwürdigkeit ein.
Gerade auch der innere Konflikt, der Jan spaltet, wirkt greifbar. Darf
sich jemand mit AIDS verlieben? Zu sehr liebt er Nina, als dass er ihr
seine Krankheit gestehen kann, weil er sie dadurch zu verlieren
fürchtet. Es zermürbt ihn. Das Gefühl der Liebe baut ihn
auf und erinnert ihn gleichzeitig an die Schwierigkeit seiner
Situation. Ständig sieht er sich hin- und hergerissen zwischen
verschiedenen Optionen – doch letztlich gerät Jan unter Zugzwang,
als an Ninas Geburtstag beide im Bett landen.
„Fickende Fische“ ist ein ungewöhnlicher und doch irgendwie
herkömmlicher Film. Eine Liebesgeschichte, ein Drama, ein
Charakterfilm – das deutsche Produkt erreicht Qualitäten
französischen Gefühlskinos und weiß dadurch zu
erfreuen. So wird denn auch Jean-Paul Sartre zitiert, dessen Spruch die
Wand in Jans Zimmer ziert: „Alles hat man herausgefunden, nur nicht,
wie man lebt.“
Mit berauschenden Unterwasser-Bildern vermischt die Regisseurin Almut
Getto auf wundersame Weise Poesie und Realität und lässt tief
in die Seele liebender Teenager blicken. Auch wenn unstimmige
Kleinigkeiten (nach etwa 20 Minuten ragt plötzlich das Mikro am
oberen Bildrand ins Bild rein) und Kameraführung den Ursprung
verraten, so zählt doch vorwiegend –wie auch beim
französischen Kino- die wirklich bewundernswerte Erzählung,
die naturgetreue Zeichnung der Figuren, das
‚Nachvollziehenkönnen’, das Mitfühlen.
„Junge, das ist lange her – du musst nach Vorne schauen.“ Unbeschwert,
so lautet der Rat von Jans Großvater, soll er leben, sich die
Entscheidung erleichtern. Leben und lieben, unbeschwert und sorgenfrei.
Wie ein Fisch eben...
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